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Kalimantan - Banjarmasin
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Am 27.12.2008 war es soweit.
Wir starteten von Denpasar / Bali aus mit Lion air über Surabaya nach Banjarmasin, die
grosse Hafenstadt am Zusammenfluss des Martapura Flusses mit dem mächtigen Barito Fluss
in Südkalimantan. Spät abends erreichten wir nach einer 45 minütigen Fahrt mit dem Taxi
durch teilweise überflutete Strassen unser Hotel Midoo. Der Eingang war so dicht
zugeparkt , so dass wir unser Gepäck durch ein Fenster nach Innen reichen mussten; wir
selbst kletterten und krochen danach ebenso zur Rezeption vor. Natürlich nehmen wir diese
Umstände nicht all zu tragisch; wir reisen meistens mit einem low level Budget, da ist
man einiges gewohnt.
Die darauf folgende Nacht im SAS - Hotel hat uns auch gereicht. Die Zimmer sind zwar
gross und gut ausgestattet, aber den Lärm des uralten Stromgenerators von 18.00 bis 21.00
Uhr war dann doch zu viel des Guten. An ein ent- spanntes Ausruhen nach einer Tagestour,
daran ist hier nicht zu denken. Interessanterweise nehmen einheimische Gäste solche
Belästigung mit der notwendigen Gelassenheit hin, ohne aufzumucken oder sich zu
beschweren. Am späten Nachmittag schwirren massenhaft nach Hause fliegenden Schwalben zu
Ihren Unterkünften zurück und mit lautem Gezwitscher segeln sie vor drei gegenüber
liegenden bunkerähnlichen Betonklötzen vor Ihren Einflugslöchern. Mit Stacheldraht sind
diese Häuser im oberen Bereich abgesichert um den kostbaren Inhalt vor Dieben zu schützen.
Schwalbennester sind für reiche Chinesen in Singapore oder Hongkong ein teures
Aphrodisiakum und natürliches Mittel zur Erhaltung der Jugend und Schönheit. Irgendwann
legt sich der Lärm und der Himmel wird nicht mehr durch diese Vögel sondern durch die
hereinbrechende Abenddämmerung zur Nacht.
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Leben am Martapura Fluss |
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Einfaches Reisen, mit dem
Lonely Planet in der Tasche, ist zwar manchmal unbequem, entschädigt aber durch nette Erlebnissen
mit gleichgesinnten Menschen und belastet die Reisekasse weniger. Am nächsten Morgen beganen wir
Banjarmasin zu erkunden und versuchten gleichzeitig unsere weiteren Reiseziele zu planen und
festzulegen. Wir fanden dann auch sehr schnell in Pak Yuliansyah einen erfahrenen Guide, der wohl
freiberuflich für eine Reiseagentur (Arjuna Satrya Wisata Putra) arbeitet und daher ziemlich
selbstständig unsere Wünsche und Vorstellungen umsetzen konnte. Ein netter, hilfreicher Mann,
der auch immer pünktlich und mit Rat und Tat zur Verfügung stand.
Zürst zog es uns natürlich aufs Wasser um diese wichtige und bedeutende Handelsstadt von ihren
Lebensadern aus kennenzulernen. Dazu zählen nicht nur der grosse Barito Fluss und der einmündende
Martapura Fluss sondern auch der Kuin- und der Alalak Fluss, neben vielen Verbindungskanälen und
Kanälchen. Das wirkliche Leben und die Verhältnisse, wie diese Menschen wohnen, leben und arbeiten,
kann man am besten von einem Boot aus kennenlernen.
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Schwimmender Warung mit treibenden Wasserpflanzen |
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Morgens um 5.00 Uhr, bei
leichtem Regen und noch stockfinsterer Nacht erwischten wir zu dieser frühen Stunde einen Ojek
Fahrer (Motorradtaxi), der Yuni und mich aufsteigen liess und zum vereinbarten Treffpunkt
chauffierte. An einem verfallenen Anlegesteg am Martapura - Fluss warteten wir auf unser Boot.
Von überall her dröhnten zu dieser frühen Stunde bereits die ersten Rufe des Müzzin aus den
Lautsprechern der umliegenden Moscheen, während die Stadt noch im Schlaf lag. Der nun heftiger
werdende Regen traf uns voll durch das lecke Dach bis wir endlich eine trockene Stelle gefunden
hatten, von der aus wir immer noch einen guten Blick auf den nächtlichen Fluss und den sich
verstärkenden Schiffsverkehr hatten. Unser Boot würde sicher in Kürze ratternd anschaukeln,
wir wollten es nicht verpassen.
Langsame Schlepper, kleine Fischerboote, und rasend schnelle Langboote, sogenannte Klotoks
passierten uns schemenhaft mit einem Höllenlärm. Krampfhaft versuchten wir unser vereinbartes
Boot auszumachen das sich uns hier nähern und abholen sollte. Geschafft, es war endlich so
weit. Das Boot war grösser als wir annahmen und hatte sogar ein Dach, bei diesem Wetter zum
Wohlbefinden seiner Gäste sicher ein Vorteil. Vorher waren bereits einige Passagiere aufgenommen
worden, wir waren also die Letzten die einstiegen. Unsere Fahrt stromabwärts Richtung Barito -
Fluss konnte nun beginnen.
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Schwimmender Markt von Kuin |
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Sofort aufgefallen sind uns
Wasserpflanzen (Eceng gondok) die in grossen Mengen, ja zusammengeballt und zusammengeschoben wie
Inseln langsam im Fluss dahinzogen, später im Barito noch in viel grösserem Umfange. Und Yuni
bemerkte: Bei uns in Bali wachsen Pflanzen in unseren Fischteichen, zwar nicht so riesig wie hier,
aber oft mit vielen violetten Blüten-Dolden zur Freude von uns und unseren Gäste.
(www.villa-orchid-bali.com) Gemächlich schaukelten wir durch die Dunkelheit, bis wir nach einiger
Zeit vereinzelte Aussetzer des Motors vernahmen.
Die Fahrt wurde dadurch immer langsamer,
und unser Bootsführer war gezwungen einen günstigen Platz
am Ufer anzusteuern um Abhilfe zu schaffen. Schon entkleidete sich ein junger Bursche und nur mit
Unterhose, das Küchen- messer im Mund, tauchte er unter das Boot um die Schiffsschraube von dem
sich eingefangenen Müll zu befreien. Es gelang ihm verhältnismässig schnell den Kahn wieder flott
zu bekommen. Unsere Vermutung, dass hier Routine durch häufiges Abtauchen in die Tiefe im Spiel
war, bestätigte sich noch auf dieser Bootsfahrt. Noch zwei weitere Male durften wir die
Geschicklichkeit und das Lungenvolumen des schmächtigen Tauchers bewundern.
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Holzverladung am Sungai Alalak |
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Es ist inzwischen hell
geworden und das Leben in und zwischen den Pfahlbauten und den Häusern am Fluss hat bereits
begonnen. In den braunen Fluten beginnt die Morgentoilette der Flussbewohner und auf den
Plattformen oder im Wasser stehend beginnen die Fraün mit der grossen Wäsche, eine sich täglich
wiederholende Arbeit. Einfachst zusammen- gezimmerte Toilettenhäuschen auf Stelzen in den Fluss
gerammt oder auf kleine Bambusflösse platziert, garantieren schnellste Entsorgung und gehören
ebenso zum Bild dieser Flusslandschaft wie die verrotteten und zerfallenen Wellblechhütten die
im braunen Morast des Stromes zu zerfallen drohen. An den Anlegestellen der Klotok's drängen
Menschen die zur Arbeit wollen in die schlanken Boote; mit Getöse, eine aufspritzende
Wasserfontaine hinter sich herziehend, wird die Fahrt fortgesetzt.
Endlich erreichten wir den mächtigen Barito Fluss und wir schippern flussaufwärts der Insel
Pulau Kembang unserem nächsten Ziel zu. Der Fluss ist hier fast 1,2 km breit, das andere Ufer
ist kaum auszumachen. Boote, Kähne, Schoner, Schiffe jeglicher Bauart und Grösse ziehen an uns
vorbei. Riesige Schlepp- und Schubschiffe die unter ihrer Kohlelast in den schlammbraunen
Wassermassen zu versinken scheinen begegnen uns und Inseln von Wasserpflanzen aus dem
Landesinnern angeschwemmt, hüpfen und wirbeln auf den Schaumkronen und umtanzen die Schiffe.
Wir ziehen an Sägewerken vorbei, wo muskulöse Banjaresen Stämme zu Holzbergen auftürmen.
Viele dieser Hölzer lagern noch schwimmend und nassschwer in Ufernähe. Wir passieren Krananlagen
und Kraftwerke, ausrangierten Schiffsschrott an den Ufern, der vielleicht immer noch seiner
vorgesehenen Bestimmung dient. Wir gleiten an Stelzendörfern vorbei, wo immer wieder silberne
Kuppeln der Moscheen zwischen den Holzhütten mit verrostetem Blechdächern hervorblitzen.
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Kohle Schleppschiffe auf dem Sungai Barito |
Wir legen an der Insel
Pulau Kembang an, - einer alten chinesischen Pilgerstätte -, kämpfen uns an den frechen und
bettelnden Affen (macaques-Affen) vorbei und wagen einen Rundgang auf den verfallenen Stegen,
die schief und beängstigend wackelig durch die Sumpflandschaft der Insel führen. Neben Frauen
und Kindern, die wohl durch milde Gaben der Besucher auf der Insel leben können, ist kein Dorf
oder Haus zu entdecken.
Es war schon zu spät geworden um noch grosses Leben und Treiben am schwimmenden Markt von Kuin
erwarten zu können. Hier am Zusammentreffen des Sungai Kuin mit dem Sungai Barito ist dieser
lebhafte Markt mit seinen schwimmenden Warungs und Händlern in ihren kleinen Booten noch ein
Spektakel ohne Touristen. Dies wurde uns auf unserer nächsten Bootstour bestätigt, wo wir in
umgekehrter Richtung etwas früher starteten und direkt über den Sungai Kuin den schwimmenden
Markt erreichten.
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Spezialität - Sota Banjar - im Warung Soto Bang Amat |
Wir legten nun längsseits
eines Verpflegungsbootes an und konnten von unserem schaukelnden Gefährt aus das Treiben auf dem
Wasser in Ruhe verfolgen. Kaffee und Tee wurde herübergereicht; Kuchen und einheimische Snacks wurden
mit einer angespitzten langen Stange und viel Geschick aus dem Angebot des Warungs herausgepickt und
übernommen.
28.12.2008 Gestärkt nahmen wir wieder Fahrt auf, bogen in den Sungai Alalak ein, einem breitem Fluss
mit den typischen Pfahldörfern an den Ufern. Immer wieder konnten wir tief im Wasser liegende Schiffe
mit Ladungen von Hölzern beobachten die hier entladen und zur Weiterverarbeitung gelagert werden.
Bevor wir wieder unseren Ausgangspunkt Banjarmasin ansteuerten, legten wir an einem der nächsten
Kampungs erneut an, um am Warung Soto Bang Amat, einem beliebten Restaurant am Fluss eine preiswerte
und sättigende Spezialität Soto Banjar zu probieren. Müde und lang ausgestreckt lagen Yuni und ich
auf den Schiffplanken und ließen die Uferlandschaft an uns vorbeiziehen, als es wieder den sungai
Martapura stromabwärts zum Ausgangspunkt ging.
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Toilette mit Wasserspülung |
Auch während der nächsten
Tagen unternahmen wir weiter Touren mit Klotoks, so unter anderem zur Pulau Kaget, eine Insel die
südlich von Banjarmasin im Sungai Barito liegt und wegen seiner Nasenaffen bekannt ist. Obwohl
wir ziemlich nahe durch die Mangroven heranfahren konnten, waren nur springende Schatten in den
Bäumen zu erkennen, für uns ein etwas enttäuschendes Unterfangen.
Banjarmasin hat als Stadt nicht besonders viel zu bieten, außer einigen Restaurants und Warungs
die man vielleicht empfehlen könnte. In der Nähe unseres Hotel Midoo z.B.das Restaurant Nelayan
und auch das Restaurant Kaganangan mit guten Fischspezialitäten. In der neu erbaute Hypermall
mit einer guten Buchhandlung (Periplus) und den üblichen Shops mit viel Gedränge, ist es sinnvoll
den Proviant aufzufrischen bevor man ins Landesinnere nach Kandangan und Loksado aufbricht.
Interessant ist die Stadt durch die vielen Flüsse, Kanäle und Wasserwege. Entdecken und
kennenlernen sollte man deshalb Banjarmasin und auch die Menschen vom Wasser aus.
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Snacks werden herübergeangelt |

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